„Mit Mathilde“ Buchpräsentation / Lesung Schneiderkapelle Hall in Tirol
„Eines Tages kam sie zu mir. Sie kam an einem kalten grauen Februartag. Mathilde rief mich lautlos, sprachlos, ein liebevoller Schatten. Sie zog mich heftig und doch sanft in ihre Zeit. Unverhofft nahm ich ihre Gegenwart auf, folgte ihr in ihre Welt … „
Mathilde, ein gehörloses Mädchen, wächst mit ihren Geschwistern um 1900 wohlbehütet in einem Tiroler Alpendorf auf. Ein liebevolles, für die Zeit ungewöhnlich fortschrittliches Elternhaus bietet ausreichend Schutz und Fürsorge. Durch die Wirren der 1920er Jahre, familiäre und existenzielle Not strandet Mathilde in der psychiatrischen Anstalt Hall und später im St. Josef-Institut Mils. Im Dezember 1940 wird Mathilde nach Hartheim deportiert und ermordet.
Spontan und unverhofft kreuzt sich der Lebensweg der Autorin mit jenem Mathildes. Über Zeitferne hinweg entsteht ein feiner, sensibler Dialog über Liebe, Verbundenheit, Hilflosigkeit – sowie über die Erschütterung wozu wir Menschen fähig sind.
Im einführenden Vortrag werden die Versorgungslandschaft beeinträchtigter Menschen im Tirol der Zwischenkriegszeit und die Auswirkungen der NS-Euthanasie im Gau Tirol-Vorarlberg historisch verortet und mit Mathildes Lebensgeschichte in Beziehung gesetzt.
Mit: Alexandra Gusetti, Philosophin, Autorin und Oliver Seifert, Historiker, Landeskrankenhaus Hall in Triol
Alexandra Gusetti: Mit Mathilde, Verlag Bibliothek der Provinz, Nov. 2025.
ISBN 978-3-99126-392-0, 136 Seiten, Hardcover.